Dienstag, 15. November 2011

Profifußballer outet sich

Mir wurde wieder ein sehr interessanter Artikel gezeigt. Ein amerikanischer Profifußballer hat sich erst letzte Woche geoutet.
Wenn ihr unten auf den Quellenlink klickt, seht ihr auch noch ein paar Interview-Videos :)

Viel Spaß beim Lesen
 

Profifußballer outet sich
11.11.2011 - (nb)

Der amerikanische Profifußballer David Testo hat sich am Donnerstag in einem Interview mit dem kanadischen Sender Radio Canada als schwul geoutet. Der 30-jährige Mittelfeldspieler hatte in den ersten und zweiten Bundesligen von Amerika gespielt, bis er im Oktober keine Vertragsverlängerung mehr erhielt. Zuletzt war er beim kanadischen Zweitligisten Montreal Impact im Einsatz.

David Testo fällt das Reden über die eigene Homosexualität im Interview noch schwer, man spürt aber die beginnende Entspannung

"Meine Homosexualität ist etwas, mit dem ich mein ganzes Leben und meine ganze Karriere lang gekämpft habe", sagte Testo dem Sender. Dabei könne ein hervorragender Fußballer zugleich schwul sein. "Ich bereue es, mich nicht früher öffentlich geoutet zu haben." Nicht geoutet zu sein sei "als ob man ein Geheimnis mit sich herumträgt, viel Gepäck, und ohne Erlaubnis, man selbst zu sein". Das "tägliche Aufpassen", was man wann wem erzähle, koste "Unmengen Energie". So habe er oft daran gedacht, seine Karriere aufzugeben und in der Wirtschaft anzufangen, in der Homosexualität mehr akzeptiert sei.

Engagierter Spieler

Testo, geboren in North Carolina, hatte seine Profi-Karriere 2003 bei dem US-Zweitligisten Richmond Kickers begonnen, scheiterte aber, Medienberichten zufolge wegen seines Temperaments, bei einer Auswahl für das nationale Jugendteam. Dann folgte für eine Saison der Erstligist Columbus Crew, danach ebenfalls in der amerikanischen Liga die kanadischen Vereine Vancouver Whitecaps und Montreal Impact. Er könnte noch ein offen schwuler aktiver Fußballer werden: Sein früherer Club (der jetzt in die erste US-Profiliga wechselt) hat zwar den Vertrag gekündigt, Testo möchte seine Karriere aber noch nicht an den Nagel hängen.

"Die Erklärung von David Testo ist bemerkenswert persönlich", sagte der Präsident von Montreal Impact der Nachrichtenagentur Associated Press. "Wir wussten bereits vor seiner Verpflichtung im Jahr 2007 von seiner Orientierung. Während seiner Karriere in Montreal war er immer ein professioneller und engagierter Spieler. Seine Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, muss eine schwere gewesen sein und wir respektieren das."

An Freunden habe er sehen können, wie leicht ihnen ein offen schwules Leben falle. Dabei wusste der Club bereits bei seiner Verpflichtung im Jahr 2007 von seiner sexuellen Orientierung, auch die meisten Mitspieler. Als Testo zwei Jahre später Spieler des Jahres wurde, wollte er sich bei seinem Freund als wichtigsten Unterstützer bedanken, konnte es aber nicht: "Ich hätte es tun können, hatte aber zuviele Sorgen zu der Zeit." Man sieht im Video, dass er das mittlerweile zu bereuen scheint.

"Leben ist so viel mehr als Fußball, Gewinnen und Verlieren", sagt Testo heute, zwischenmenschliche Beziehungen seien viel mehr wert. "Wenn man auf dem Sterbebett liegt, kommt es nicht darauf an, wieviele Tore man erzielt hat, wieviele Spiele man gewonnen hat, nichts davon." Die Personen, die man trifft, deren Leben man verändert, das seien die Dinge, auf die es ankommt. Auch in diesen Fragen sei er durch sein Schwulsein gereift, "mehr, als ich es mir erträumt habe".

Befreiendes Coming-out

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Profisportler geoutet, die wenigsten allerdings im Fußball. In letzter Zeit häuften sich die Coming-outs ausgerechnet in der als hart angesehenen Sportart Rugby. Erst vor zwei Wochen outete sich der walisische Profispieler Jed Hooper, der in Bristol spielt (queer.de berichtete). In einem Interview sprach er von der befreienden Wirkung des Coming-outs: "Wenn das jemand lesen sollte, der in der gleichen Situation ist wie ich, ist alles, was ich sagen möchte: Lass sich die Sachen nicht aufstauen", so Hooper. "Denn, glaub mir, es gibt Licht am Ende des Tunnels."

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