Freitag, 10. Juni 2011

Fußball: Schwule und Lesben werden ausgegrenzt

Sehr interessanter Artikel, wenn auch ernüchternd. Aber der lieben Frau Degele stimme ich voll und ganz zu (s. unten fett gedruckt).

Nachtrag:
In der ZDF-Mediathek ist auch ein sehenswertes Video für alle, die es interessiert: Homophobie im Fußball - ein schwuler Ball fliegt genauso gut


Fußball: Schwule und Lesben werden ausgegrenzt
10.06.2011



BERLIN - „Mit einem Analritter dusch’ ich nicht“, gab der Teilnehmer einer neuen Studie über Homophobie im Fußball freimütig zu Protokoll und bewies damit einmal mehr, dass Schwule in Deutschlands beliebtester Sportart oft ausgegrenzt werden. Dabei müssten laut Bevölkerungsstatistik jeder zehnte Spieler und jede zehnte Spielerin homosexuell sein. „Fußball verbindet nicht nur, er grenzt auch aus“, sagte die Freiburger Soziologie-Professorin Nina Degele am Mittwochabend in Berlin, als sie die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit der Öffentlichkeit präsentierte.

Rund 100 Gäste waren in den Konferenz-Saal der Friedrich-Ebert-Stiftung gekommen, um sich über die Resultate der Studie zu informieren. Degele und ihr Team haben in den vergangenen Monaten 142 Teilnehmer über ihre Haltung zu Homophobie und Sexismus im Fußball befragt – darunter viele Fans und Spieler. Degeles Fazit: „Schwule werden im Fußball ausgegrenzt, weil sie nicht die richtige Sexualität haben.“ Kickende Frauen würden von vornherein als Lesben abgestempelt und in den Medien – verglichen mit den männlichen Kollegen – kaum wahrgenommen. Daran werde auch die bald beginnende Frauen-WM in Deutschland kaum etwas ändern.

In den knapp zwei Dutzend Gruppendiskussionen, die für die Untersuchung geführt wurden, kamen zahllose homophobe Ressentiments zutage. Soziologie-Expertin Degele sprach sich angesichts solch kruder Vorbehalte für eine klare Positionierung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aus. Der Verband müsse sich noch mehr als bisher gegen Homophobie stellen. Die Wissenschaftlerin regte an, dass sich nach dem letzten Spieltag der nächsten Bundesliga-Saison elf Profi-Fußballer symbolisch outen und „eine Kehrtwende im Profi-Fußball“ inszenieren sollten. Bislang bekennt sich kein einziger Spieler der 1. oder 2. Bundesliga offen dazu, homosexuell zu sein.

Von Alexander Pitz

Quelle

1 Kommentar:

  1. Ich denke wirklich, dass wir in einer toleranten Welt leben, wo Homosexualität etwas ganz normales geworden ist, aber vielleicht lebe ich in einer Traumwelt in der es zu viel Slash gibt ;)

    Ich finde es unmöglich, dass es so viele Vorurteile gibt. Ob es nun gegen schwule Fußballer geht, die doch genauso männlich sind und so gut Fußball spielen wie heterosexuelle, oder ob es gegen Frauen im Fußball geht.
    Fraußenfußball ist gewöhnungsbedürftig, aber es ist genauso sehenswert :) Und vielleicht tut sich ja durch die Frauen-WM in Deutschland wenigstens in diesem Bereich etwas. Wünschen würde ich es mir!

    Ich denke nicht, dass es in den nächsten Jahren zu einem Outing im Profi-Fußball kommt. Die Spieler, die schwul sind, führen so ein perfektes Doppellleben, dass man niemals darauf kommen würden - da bin ich mir sicher.
    Trotzdem fände ich es super, wenn mal jemand ein Zeichen setzt! Ich bin mir sehr sicher, dass er nicht gesteinigt würde, sondern Respekt entgegen gebracht bekäme.

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