Freitag, 1. April 2011

Schwul-lesbische Fanclubs werfen Bierhoff Homophobie vor


Also ich finde auch, dass der ganz schön übertreibt. Der Ausspruch im Tatort sollte doch nur die Lage des Spielers verdeutlichen, er hat sich voll in die Enge getrieben gefühlt und deshalb sowas gesagt. So würde man dann eben reagieren, wenn man in der Situation gefragt wird, ob man schwul ist. Das sollte sich doch nicht wirklich an die Deutsche Nationalmannschaft richten *augen verdreh* Man.

ARD-Tatort
Schwul-lesbische Fanclubs werfen Bierhoff Homophobie vor
31.03.2011

"Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball sein Gesicht gegeben": Das Netzwerk der schwul-lesbischen Fußballfanclubs hat einen offenen Brief an den DFB geschrieben. Anlass war die Kritik des Nationalmannschaftsmanagers an einem ARD-"Tatort", in dem es um schwule Nationalspieler ging.

Nationalmannschaftsmanager Bierhoff: "Angriff auf die Familie der Nationalmannschaft"
  
Hamburg - Die heftige Reaktion von Oliver Bierhoff auf das Thema Homosexualität in der Nationalmannschaft nach einem in der ARD ausgestrahlten "Tatort" hat für Ärger beim Netzwerk Queerfootballfanclubs gesorgt. Der Zusammenschluss schwul-lesbischer Fußballfanclubs in Europa erklärte in einem offenen Brief an den DFB: "Oliver Bierhoff hat der Homophobie im Fußball sein Gesicht gegeben."

Der Nationalmannschaftsmanager hatte der "Bild"-Zeitung gesagt, dass er es schade und ärgerlich finde, "dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen", so Bierhoff. In dem "Tatort" hatte der sich später als schwuler Fußballer outende Hauptdarsteller gesagt: "Die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten." Bierhoff wertete diese Anspielung als "einen Angriff auf meine Familie - die Familie der Nationalmannschaft".

Queerfootballfanclubs bemängelt in seinem Schreiben vor allem den wenig sensiblen Umgang mit derartigen Vorfällen. Dass Bierhoff darauf so heftig reagiere und das Wort "Familie" als Kontrast und vermeintlichen Gegensatz zur Homosexualität benutze, sei entlarvend, heißt es in der Erklärung. "Der sicherlich gut gemeinte 'Tatort' ist nicht so medienwirksam wie die negativen Auswirkungen, die dieses "Bild"-Interview von Herrn Bierhoff haben", so das Netzwerk, das Bierhoff erneut zu einem klärenden Gespräch einlud.

"Homo-Gurke" für Bierhoff

Queerfootballfanclubs erklärte, "dass es uns beschäftigt, wenn jemand entrüstet zurückweist, homosexuell zu sein. Es ist weder ein Verdienst noch ein Manko schwul oder lesbisch zu sein." Bierhoff hatte grundsätzliche Überlegungen angekündigt, "wie wir mit solchen Dingen umgehen. Dass wir nicht wehrlos sind gegen Gerüchte und falsche Unterstellungen aller Art." Einen ersten Brief des schwul-lesbischen Netzwerks hatte der DFB bereits beantwortet, nach Angaben von Queerfootballfanclubs aber unzureichend. Vom Internetportal Queer.de hatte Bierhoff für seine Aussagen die sogenannte "Homo-Gurke" verliehen bekommen.

DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte über den "Tatort" gesagt: "Ich begrüße es, wenn wichtige TV-Sendungen vor einem Millionenpublikum Tabuthemen aus allen Bereichen der Gesellschaft darstellen. Denn solche Tabus sind immer Feinde von Freiheit und Menschenwürde." Allerdings verwies er auch auf die in Filmen praktizierte Überzeichnung und warnte, "bei schwierigen Themen auch sensibel zu bleiben und nicht durch unwahre und unnötige Randbemerkungen von den eigentlichen Aufgaben abzulenken", so der Verbandschef.

Zwanziger gibt sich sonst als Kämpfer gegen die herrschende Homophobie im Fußball. Am Rande des WM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland hatte er mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben im Fußball gefordert. "Das Engagement des DFB gegen Homophobie ist auch ein Kampf gegen Vorurteile, die es früher einmal gab. Heute ist das ein Beitrag, den Fußball als Botschaft gegen Diskriminierung und andere gesellschaftliche Irrwege zu nutzen", sagte Zwanziger da. In vielen Interviews und Reden hat er dafür geworben, Homosexualität als ein ganz gewöhnliches Thema zu behandeln.

Bierhoffs Aussagen dürften ihm nicht gefallen haben.

jar/dpa/sid


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