Montag, 15. November 2010

„Scheinehen für schwule Fußballer“ - „Schwul sein gilt im Fußball immer noch als Schwäche“

Meine liebe Elli hat mich letzte Woche darauf aufmerksam gemacht, dass im ZDF-Sportstudio das Thema "Homosexualität im Fußball" angesprochen wurde. Dazu hab ich diesen Artikel gefunden :)


Tatjana Eggeling, Wissenschaftlerin an der Uni Göttingen
„Scheinehen für schwule Fußballer“
von Florian Krebs

Vor dem ersten Todestag von Robert Enke am Mittwoch kommen jetzt die großen Tabu-Themen des Fußballs auf den Tisch: Depressionen und Homosexualität.

Viele der 2,08 Millionen Zuschauer des ZDF-Sportstudios wurden am Samstagabend überrascht von Tatjana Eggeling (46).

Die Wissenschaftlerin der Uni Göttingen behauptet, dass einige schwule Fußballer nur vorgetäuschte Hetero-Partnerschaften eingehen, um ihre Neigungen vor Mannschaftskollegen und der Öffentlichkeit zu verbergen.

Eggeling, die auch schwule Spieler berät: „Ich weiß, dass Scheinehen geführt werden. Auch im deutschen Fußball und in der Bundesliga.“

Namen nennt sie keine, aber dafür spricht sie von geheimnisvollen Vermittlungs-Agenturen.

Eggeling: „Ich weiß ganz sicher aus der italienischen Liga, dass es regelrechte Agenturen gibt, die Spielern Ehefrauen oder Frauen als Begleitung vermitteln.“

Nur in Italien? Es gibt seit längerem Gerüchte, dass eine solche Agentur auch in Holland arbeitet, über die an deutsche Spieler Schein-Partnerinnen vermittelt werden. Angeblich mit festen Verträgen, die alles regeln. Danach führen die Frauen nach außen hin eine normale Beziehung mit dem Spieler, müssen sich bei offiziellen Anlässen (wie z.B. Weihnachtsfeier des Klubs) mit ihm zeigen. Dürfen sonst aber diskret ihr eigenes Liebesleben führen.

Beweise für Scheinehen und ominöse Vermittlungsagenturen gibt es keine. Bisher hat sich kein Bundesliga-Star geoutet. Aus Angst um seine Karriere. Das Thema bleibt ein Tabu!

07.11.2010 - 23:49 Uhr

Quelle





Dann hat mi peca mir heut diesen Artikel gezeigt :D Der muss jetzt auch noch sein, danke :*


„Schwul sein gilt im Fußball immer noch als Schwäche“ 
von Florian Krebs

Homosexualität! Dr. Tatjana Eggeling (46) erforscht das große Tabu-Thema im Fußball seit sechs Jahren, berät schwule Profis auch. BILD.de sprach mit der Kultur-Wissenschaftlerin über Scheinehen, Depression und warum ein Outing immer näher rückt.

BILD.de: Sie haben zuletzt im ZDF-Sportstudio behauptet, dass schwule Fußballer in der Bundesliga Scheinehen führen, um ihre Neigungen geheim zu halten. Warum tun Fußballer das?

Eggeling: „Es gibt diese Scheinehen, weil Fußball eine Männerwelt ist, zu der eine schöne Frau gehört. Ein „echter“ Mann ist immer heterosexuell.“

BILD.de: Aber in anderen Lebensbereichen, z. B. der Politik, ist Homosexualität doch auch möglich...

Eggeling: „Ja, aber Politik ist anders als Fußball keine körperliche Angelegenheit. Politiker stoßen nicht mit dem Gegner zusammen. Sie stecken im Anzug, sind als fachkundig anerkannt. Da wird weniger gefragt, ob sie echte Männer sind.“

BILD.de: Wie viele schwule Bundesliga-Profis gibt es?

Eggeling: „Rechnen wir mit 5 % Schwulen, kommen wir in der Bundesliga auf rund 25 bis 30 Spieler. Das ist aber nur eine Schätzung, gezählt sind sie nicht.“

BILD.de: Scheinehen, Versteckspiel – wie groß ist der Druck, den schwule Fußballer aushalten müssen?

Eggeling: „Das Leiden, sich verstecken zu müssen, ist groß. Das kann sogar zu Depressionen führen! Körper und Seele müssen das Versteckspiel aushalten – und irgendwann kann es passieren, dass es nicht mehr geht. Der Rückschluss ist allerdings nicht zulässig: Nicht jeder Depressive ist schwul!“

BILD.de: Gibt es in der Bundesliga ein „schwules Netzwerk“, von dem der ehemalige St.-Pauli-Boss Corny Littmann mal gesprochen hat?

Eggeling: „In Deutschland nicht, in der Bundesliga kennen sich die schwulen Spieler untereinander nicht automatisch. Anders ist es in Italien, da treffen sich die schwulen Spieler regelmäßig heimlich – es geht dabei weniger um Sex, als vielmehr darum, sich auszutauschen und auch über die heimliche Homosexualität reden zu können. Das ist erleichternd.“

BILD.de: DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hat Homosexuellen mehrfach Hilfe zugesagt. Nur leere Worte oder tut sich was?

Eggeling: „Es tut sich was, Herr Zwanziger setzt sich da stark ein. Der DFB hat die Arbeitsgruppe „Für Toleranz und Anerkennung, gegen Rassismus und Diskriminierung“ um das Thema Homosexualität erweitert und mich als externe Beraterin dazu geholt. Gegen schwulenfeindliche Äußerungen muss genauso vorgegangen werden wie gegen rassistische.“

BILD.de: Ziehen die Vereine mit?

Eggeling: „Es geht in der Arbeitsgruppe auch darum, das Thema Homosexualität endlich in die Köpfe der Vereinsvorstände zu bekommen. Ich habe den Eindruck, die Klubs wollen sich gar nicht damit beschäftigen, sonst würden sie ja alle einen Sportpsychologen anstellen. Der wäre wichtig für schwule Fußballer, um eine Strategie zu entwickeln, wie man mit dem Druck umgeht – oder sogar ob und wie man sich outen kann.“

BILD.de: Wann gibt es denn das erste Outing eines Bundesliga-Profis?

Eggeling: „Schwul sein gilt im Fußball immer noch als Schwäche, aber es hat ein leises Nachdenken begonnen. Darum sage ich: Ein Outing im Fußball wird immer möglicher – wenn die Unterstützung im Verein und vom Umfeld stimmt. Es muss gelingen, seine Mannschaftskollegen, den ganzen Verein mitzunehmen. Als sich Rugbyspieler Gareth Thomas geoutet hat, stand das ganze Team zu ihm. Es wäre viel erreicht, wenn es bald auch in der Bundesliga ein solches positives Beispiel geben würde.“

15.11.2010 - 15:59 Uhr

Quelle


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen